Veränderungen

 

Alle zwei Wochen trafen sich auf der Anlage der Sportfreunde Steinbrücken die talentiertesten Nachwuchsfußballerinnen des Kreises zum Stützpunkttraining. Jedes dieser Mädchen wusste, dass das Auswahltraining eine Chance für sie bedeutete, aber auch, dass man schnell draußen sein konnte. Es gab immer mehr begabte Spielerinnen, die darauf warteten, nachzurücken.

Bärbel beobachtete die Trainingseinheit.

»Deine Spielerin macht einen hervorragenden Eindruck.« Friedhelm Meier, der Abteilungsleiter für den weiblichen Fußball bei den Sportfreunden Steinbrücken stellte sich neben Bärbel. Er zündete sich eine Zigarette an und hielt ihr die Packung entgegen.

Bärbel winkte ab. »Das habe ich mir zum Glück nie angewöhnt. Ist Rauchen auf dem Sportplatz noch nicht verboten?« Ein provozierendes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.

»Jetzt fängst du auch noch an. Ich fühle mich von allen verfolgt. Überall Verbote, Verbote, Verbote!«

»Ich genieße es jetzt, in Restaurants und Lokale zu gehen.« Bärbel lehnte sich an die Werbebande, die um den Hauptplatz aufgestellt war.

»Ja ja … ich weiß … und natürlich sollte man auch eine Vorbildfunktion haben.« Ein heftiger Hustenanfall schüttelte den Abteilungsleiter.

»Das klingt nicht gesund.«

Friedhelm Meier machte eine abwehrende Handbewegung. Auf seiner Halbglatze bildete sich Schweiß. »Wie halten das deine Mädchen nur mit dir aus?«, fragte er schwer atmend.

»Ich kann auch nett sein«. Bärbel zwinkerte ihm zu. »Bisher ist noch kein Mädel vor mir geflüchtet. Du stellst ja eben auch selbst fest, wie positiv Imke sich entwickelt.«

»Ja, die Kleine ist bärenstark. Sie sollte zu uns kommen.«

Natürlich. Die Anfragen häuften sich. Bärbel freute sich darüber und gleichzeitig wurde sie von einer Schwermütigkeit erfasst.

»Du weißt, dass ich keiner Spielerin Steine in den Weg lege“, sagte sie. „Aber Imke muss es selbst wollen. Im Moment ist für sie die Mannschaft wichtig, ihre Freundinnen.«

»Ja, ja und dich will sie auch als Trainerin behalten. Aber bei uns könnte sie noch ein Jahr in der C-Jugend spielen.«

»Ach, meine Person sollte dabei keine Rolle spielen. Imke hat ihre Klasse bereits in den ersten Begegnungen gegen die älteren B-Mädchen bewiesen. Sie wird sich durchsetzen.«

Die beiden beobachteten Imke, die einen langen Flugball sauber mit dem Fuß annahm und dann direkt einer Mitspielerin weiterleitete.

»Den Service bekommt ja auch nicht jede Spielerin, von der Trainerin höchstpersönlich zum Stützpunkttraining gefahren zu werden.«

»Wenn ich es machen kann, warum nicht? Imke wird von ihren Eltern super unterstützt. Aber sie haben auch nicht immer Zeit, diese fünfzig Kilometer nach Steinbrücken zu fahren.«

»Du hast die Zeit? Ich werde dir auf der Stelle ein erneutes Angebot unterbreiten. Wir könnten dich hier gebrauchen und Imke hättest du gleich im Gepäck mit dabei.« Meier zog genussvoll an der Zigarette und blies den Rauch in den Himmel.

»Wer weiß, was noch alles passiert. Ich nutze die Zeit hier auf der Anlage. Erst gehe ich joggen und danach sehe ich mir einige Trainingseinheiten von Sigrid an. Man lernt ja nie aus.« Sigrid Dämler war seit Sommer für die Mädchenauswahl zuständig.

»Du hättest selbst die Auswahl trainieren können. Warum hast du das Angebot vom Verband nicht angenommen?«

»Ich habe es mir lange überlegt.« Bärbel fuhr sich mit der Hand durch die schulterlangen dunkelblonden Haare. »Ich habe das Gefühl, beim SV Winkelbach noch etwas bewegen zu können.«

»Naja, man hört ja auch so einiges von eurem Verein« Meier drückte die Zigarette an der Werbebande aus und schnippte die Kippe direkt in den Mülleimer.

»So, was denn?« Bärbel kreuzte die Arme vor der Brust.

»Naja, in eurem Herrenbereich wird doch kräftig investiert, seit dieser Grohmann Trainer der ersten Mannschaft ist. Spielt ihr überhaupt noch eine Rolle im Verein?« Er zündete sich eine weitere Zigarette an.

Bärbel verzog das Gesicht, denn Meier traf ins Schwarze. »Ohne Frauen- und Mädchenfußball kann heute fast kein Verein mehr bestehen«, sagte sie jedoch betont lässig.

»Komm, erzähl mir nichts. Der SV Winkelbach benötigt Geld. Deswegen habt ihr doch eure Trainingsplätze vermietet.«

Nachrichten über finanzielle Engpässe anderer Clubs verbreiteten sich rasant. Der Verein besaß nur wenige Gönner und allein aus Mitgliedsbeiträgen und öffentlichen Zuschüssen konnten auf Dauer die Kosten der Sportanlage und des Spielbetriebs nicht bestritten werden. Deshalb wurde es seit dieser Saison enger auf Winkelbachs Sportanlage, denn der Verein vermietete die Fußballplätze an andere Vereine, deren Platzkapazität ausgelastet war. Die Frauen und Mädchen verloren dadurch ihre festen Trainingstermine und mussten mit den Herren und männlichen Jugendmannschaften auf Dienstag und Donnerstag ausweichen. Dies führte zwangläufig zu Problemen, denn der neue Trainer der ersten Herrenmannschaft, Günter Grohmann, bestand für seine Mannschaft auf einen ganzen Trainingsplatz, während die Frauen wenigstens einen halben beanspruchten. Die Mädchenmannschaft kollidierte mit der B-Jugend und es gab ähnliche Probleme. Es herrschte eine große Unzufriedenheit im Verein.

»Grohmann ist ein Erfolgscoach«, sagte Meier.

»Weil er so gut ist?«,

»Seine Qualitäten als Trainer will ich nicht abwerten. Aber er trainierte in der Vergangenheit immer nur die Mannschaften, in die der Verein investierte. Er hat doch auch einige Spieler mitgebracht, oder?«

Bärbel nickte. »Ja. Du bist bestens informiert.«

»Denk über mein Angebot nach. Beim SV Winkelbach wirst du dich in Grabenkämpfen aufreiben.«

Bärbel legte lächelnd den Arm um Meier: »Du weißt doch, dass ich gerne Herausforderungen annehme. Trotzdem danke. Vielleicht kommen wir irgendwann mal zusammen.«


 Ein komplizierter Abend

 

 »Tanja, Lydia, Dani – hier bei mir spielt die Musik«, rief Bärbel den drei Mädchen zu, die kichernd zusammenstanden. Sie blickten auf die andere Seite des Platzes, auf der zeitgleich die B-Junioren des SV Winkelbach trainierten.

Bärbel klatschte laut in die Hände: »Auch wenn es schwerfällt, wir haben noch einiges vor.«

»Kommt schon«, rief auch Karin, die vorbildliche Spielführerin der Mannschaft. »Ich will trainieren.«

»Ist ja gut«, rief Dani. »Wir sind ja da.«

Die Drei schlenderten immer noch kichernd zu ihren Mitspielerinnen. Tina, die Torhüterin und mit Tanja zusammen Imkes beste Freundin, verdrehte die Augen. »Mensch, was ihr an diesen Bubis nur findet.«

Einige Mädchen lachten.

»Wieso, wir beobachten doch nur«, sagte Dani. »Die wollen ja was von uns.«

»Das könnt ihr nach dem Training ausdiskutieren.« Bärbel schüttelte den Kopf. »Auf meinem Trainingsplan stehen noch ein paar Torschussübungen und ein kleines Abschlussspielchen. Am Wochenende wartet schließlich ein schweres Spiel auf uns.« Dieses waren natürlich die Highlights einer Trainingseinheit und entsprechend motiviert und begeistert absolvierten die Mädchen die Übungen.

Am Ende des Trainings rief Bärbel die Spielerinnen noch einmal zusammen: »Ich habe noch eine tolle Nachricht.« Erwartungsvoll sahen die Mädchen die Trainerin an.

 ****

Imke stürzte in die Küche. Ihre Eltern saßen beim Abendessen und schauten verdutzt auf ihre aufgeregte Tochter. Ihre kurzen schwarzen Haare standen ungekämmt in alle Himmelsrichtungen, das Gesicht war knallrot vor Aufregung und die graublauen Augen strahlten vor Freude.

»Imke, was ist passiert«, fragte ihre Mutter. »Du hast immer noch deine dreckigen Trainingsklamotten an«, stellte sie im nächsten Moment tadelnd fest. »Warum duscht ihr Mädchen nie nach dem Training?«

»Das ist doch jetzt egal, Mama.« Atemlos stütze sich Imke am Tisch ab.»Ich gehöre zum Auswahlkader und spiele bei einem Kreisauswahlvergleichsturnier mit!«

Martin Strobel zog die Augenbrauen hoch und sah seine Tochter fragend an: »Auswahlkader? Turnier?«

»Bärbel hat mir die Einladung gezeigt. Ich gehöre dazu!« Ihre Augen glänzten. »Stellt euch das vor. Die besten Spielerinnen haben dabei die Chance, in den Landesauswahlkader zu kommen.«

Imkes Eltern schauten sich verschmitzt an.

»Kleine, das ist ja super.« Ihre Mutter und nahm sie in den Arm. »Ich bin stolz auf Dich«

Martin Strobel biss herzhaft in sein Wurstbrot und lächelte vor sich hin. »Jetzt ist die Nationalelf also auch nicht mehr weit weg?«

»Ach Papa, das ist das nächste Ziel!« Imke setzte sich auf einen Stuhl und nahm sich ein Stück Käse.

»Imke, mit deinen dreckigem Zeug am Tisch. Also ehrlich.« Irene Strobel schüttelte verständnislos den Kopf.

»Mama, jetzt schimpf mich nicht. Ich freue mich doch so auf das Turnier!«

»Wo und wann findet denn dieses wunderbare Turnier statt«, fragte ihr Vater.

»Auf der Anlage von Mainstetten, am ersten Oktoberwochenende«, entgegnete Imke kauend.

Mit einem Mal wurde es still. Imkes Eltern schauten sich an.

Imke blickte irritiert auf. »Ist was?«

»Naja, nun, Imke, ähm, ….« Frau Strobel sah ihren Mann kopfschüttelnd an. »Also, bis du zum Punkt kommst. Imke, du weißt doch, dass Oma sechzig Jahre alt wird und wir zu ihr fahren. Das ist doch längst alles ausgemacht!«

Imkes Herzschlag setzte für einen Moment aus. »Nein Mama, das geht nicht! Ich muss spielen!«

Auf der Stirn von Frau Strobel bildeten sich tiefe Falten.»Mein liebes Fräulein! Wir respektieren nicht nur deinen Sport, wir fiebern mit dir fast jedes Wochenende am Spielfeldrand mit. Aber meiner Mutter werde ich bestimmt nicht wegen eines Fußballturniers absagen und schon gar nicht ihre Feier zum Sechzigsten Geburtstag!«

Imkes Lippen verzogen sich schmollend. Tränen tropften aus ihren Augen. »Ihr könnt ja fahren. Ich bleibe zuhause!«

»Also Imke!« Kopfschüttelnd sah Irene Strobel ihre Tochter an. »Oma würde dich sowieso lieber im Ballettkleidchen Schwanensee tanzend bewundern, als in kurzen Hosen auf der Fußballbühne. Du brichst ihr das Herz, wenn du ein Fußballturnier ihr vorziehst! Das kann nicht dein Ernst sein!«

Imke sah in Gedanken ihre Oma vor sich. Eigentlich war Oma das falsche Wort. Sie wirkte wie die ältere Schwester ihrer Mutter: Chic, modern und unternehmungslustig. Sie arbeitete noch halbtags in einer Bibliothek. Doch im Bezug auf Imkes Hobby war sie äußerst konservativ.«

Voller Verzweiflung sah Imke ihren Vater an, der aber sofort wegschaute und sich auf sein Essen konzentrierte. Imke drehte sich um und rannte aus dem Zimmer. Sie hörte ihre Mutter rufen und die beruhigende Stimme des Vaters.

Tränen liefen über Imkes Gesicht. Sie schwang sich auf das Fahrrad und trat in die Pedalen. Sie fühlte sich wie gelähmt, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Vor einer Stunde fühlte sie sich noch als der glücklichste Mensch auf der Welt. Da hatte Bärbel vor der Mannschaft verkündet, dass Imke zum Kreisauswahlturnier eingeladen wurde. Doch nun zerfiel dieser Traum wie ein Kartenhaus.

 ***

Imke musste reden. Automatisch fuhr sie zum Fußballplatz, der nur zehn Fahrradminuten entfernt lag. Sie stellte ihr Mountainbike ab und schlenderte auf die Anlage. Es war inzwischen kurz nach acht Uhr. Sie beobachtete, dass sowohl die Frauen- als auch die Herrenmannschaft ihr Training beendeten und die Bälle zusammensuchten. Mit schnellen Schritten lief sie zum Trainingsplatz. Einige Frauen und Männer kamen ihr bereits entgegen.

»Hallo«, sagte Lisa Wimmer. »Was machst du denn noch auf der Anlage?« Lisa war die Mutter von Tina und spielte auch Fußball in der Frauenmannschaft.

»Ich muss noch kurz mit Bärbel reden« Sie hoffte, dass niemand bemerkte, wie aufgelöst sie war.

»Siehst du Samstag bei uns zu«, fragte Julia, die stämmige Verteidigerin.

»Klar«, antwortete Imke im Vorbeilaufen.«

Mit den Ballnetzen in der Hand kam ihr Bernd entgegen. Er war seit dieser Saison Bärbels Co-Trainer. »He Kleine, was machst du denn noch hier?«

Imke blieb stehen. »Ich muss noch mit Bärbel reden.«

»Was ist los? Bist du traurig? Das war doch heute so eine tolle Nachricht für dich.«

Imkes Augen füllten sich mit Tränen. Bernd legte die Bälle ab und wollte sie tröstend in den Arm nehmen, doch Imke wich ihm aus.

»Wo ist Bärbel?«, fragte sie.

Er zeigte in Richtung des Trainingsplatzes: »Sie unterhält sich noch mit Grohmann.«

Imke ging langsam weiter. Sie sah, dass nur noch Bärbel und Günter Grohman auf dem Trainingsplatz standen.

 ***

»Wir müssen endlich eine Lösung finden«. Grohmann stemmte die Arme in die Hüften.

»Sollen wir uns in Luft auflösen?«, fragte Bärbel. »Wir waren doch mit unseren Zeiten zufrieden, bis der Vorstand sie uns wegnahm. Die haben doch unsere Trainingszeiten an andere Vereine verhökert, um Geld in die Kasse zu bekommen.« Sie schüttelte energisch den Kopf. »Wahrscheinlich müssen sie damit dein Trainergehalt und deine Söldnertruppe bezahlen. An der derzeitigen Situation sind wir also nicht schuld.«

Grohmann war ein attraktiver, braungebrannter Mann, mit einem gepflegten Dreitagebart. Er sah nicht aus wie fünfzig Jahre und das wollte er auch ausstrahlen. Nach seiner Scheidung vor sieben Jahre hatte er sich nicht mehr festgebunden, für ihn stand der Fußball an erster Stelle und daran scheiterte bereits seine Ehe.

»Nun, Qualität hat seinen Preis.« Grohmann grinste breit. »Warum müsst ihr Frauen uns immer nacheifern?«

»Was meinst du?«

»Frauen sollten ihre Männer auf dem Fußballplatz anfeuern, zuhause verwöhnen und ein leckeres Essen kochen. Stattdessen wollt ihr Fußball spielen und nehmt dabei den Jungs die Plätze weg.«

Bärbel lachte laut auf: »Also wirklich. Aus welchem Zeitfenster bist du denn entsprungen?«

Grohmann sah die Trainerin an. Vom ersten Augenblick an faszinierte ihn diese Frau. Er stand auf feminine, schlanke Frauen, die sich für eine Verabredung in Schale schmissen, enge Kleidung und hohe Absätze trugen, sich nachschminkten und in den Mantel helfen ließen. Doch Bärbel war anders. Sie besaß eine natürliche ungeschminkte Ausstrahlung. Selbstbewusst und unnahbar, fast kühl stand sie ihm gegenüber. Er wusste, dass sie als Physiotherapeutin in einem Rehabilitationszentrum in Neustadt arbeitete und überlegte, ob er sich nicht ein paar Massagetermine verschreiben lassen sollte. Seine Flirtversuche ließen Bärbel kalt. Das ärgerte ihn maßlos, denn die wenigsten Frauen widerstanden ihm. Es wäre doch gelacht, wenn er nicht auch ihre harte Schale knacken könnte.

Grohmann zog Bärbel an sich und sah sie an. Ihre strahlend blauen Augen blitzten und ihr Körper war angespannt.

»Was wird das?«, fragte sie. »Kommst du mit deinen Argumenten nicht weiter und versuchst es auf die harte Tour?«

»Hart bin ich nur zu meinen Jungs, aber nicht zu schönen Frauen.« Sie verzog spöttisch ihren Mund und setzte zu einer Antwort an. Doch bevor sie etwas sagen konnte, umfasste er ihr Gesicht und drückte seine Lippen auf ihren Mund. Er hatte Bärbel damit völlig überrumpelt. Seine Hände glitten über ihren Rücken und ihr Gesäß. Einen Moment schien sie völlig wehrlos. Doch plötzlich tauchte jemand aus dem Dunkeln auf.

 

Imke war wie erstarrt. Was war das denn heute nur für ein Abend? Erst die tolle Nachricht vom Turnier, danach das Verbot der Eltern und jetzt knutschte Bärbel mit diesem alten Typen herum. Das konnte doch nicht wahr sein. Ein tiefer Stich bohrte sich in ihre Brust.

Imke wollte sich zurückziehen, doch im selben Moment entdeckte Bärbel sie.

»Imke, was machst du hier?«, fragte die Trainerin verlegen und schob Grohmann von sich.

»Du hast uns doch nicht heimlich beobachtet?« Günter Grohman hob tadelnd den Finger und grinste.

»Ich, ich muss mit dir reden«, flüsterte Imke.

»Du siehst doch, dass du störst«, sagte Grohmann.

Imke drehte sich um und rannte davon.

»Imke«, hörte sie Bärbel rufen. »Bleib stehen.«

Doch Imke lief weiter und Tränen flossen über das Gesicht.

 

Sie sah nicht, dass Bärbel ihr nachlaufen wollte, doch Grohmann sie am Arm festhielt.

»Lass mich los.« Bärbels Augen funkelten ihn wütend an.

»Was regst du dich auf. Darf deine Spielerin nicht sehen, dass die Frau Trainerin ein Privatleben hat?«

»Natürlich habe ich ein Privatleben. Aber welches, das bestimme ich.«

Grohmann wollte sie erneut an sich ziehen, aber Bärbel riss sich los. Schwer atmend stand sie vor ihm: »Hör zu Grohmann, du rührst mich nie wieder an. Verstanden?« Eine tiefe Zornesfalte bildete sich auf ihrer Stirn.

Sie drehte sich um und rannte Imke hinterher, doch diese war bereits mit dem Fahrrad auf dem Wege nach Hause.